Aurora lehnt erhöhtes Übernahmeangebot von Curaleaf ab
Aurora weist auch das erhöhte Angebot von Curaleaf zurück und prüft Alternativen. Beide Konzerne beliefern deutsche Apotheken mit Medizinalcannabis.
Der Verwaltungsrat des kanadischen Cannabis-Herstellers Aurora hat am 14. Oktober 2026 einstimmig empfohlen, auch das erhöhte Übernahmeangebot des US-Konzerns Curaleaf abzulehnen. Für deutsche Patient:innen ist der Machtkampf relevant, weil beide Unternehmen hierzulande Medizinalcannabis vertreiben und eine Übernahme zwei Lieferanten deutscher Apotheken unter ein Dach bringen würde.
Das Angebot im Detail
Curaleaf hatte im August ein feindliches Angebot vorgelegt, das Aurora mit rund 4 US-Dollar je Aktie bewertete und insgesamt etwa 272 Millionen US-Dollar wert war. Am 5. Oktober erhöhte Curaleaf auf 0,4013 eigene Aktien plus 1 US-Dollar in bar je Aurora-Aktie. Nach Berechnung von Curaleaf entspricht das rund 5 US-Dollar je Aktie, ein Viertel mehr als zuvor. Das Angebot läuft bis zum 4. Dezember 2026.
Aurora hält auch diesen Preis für zu niedrig. Das Unternehmen verweist darauf, dass es schuldenfrei ist, und hat mit mehreren Interessenten Vertraulichkeits- und Stillhaltevereinbarungen geschlossen. Ein Sonderausschuss prüft Alternativen, darunter eine Transaktion mit einem Dritten oder die Fortführung als eigenständiges Unternehmen. Miguel Martin, Verwaltungsratsvorsitzender und Vorstandschef von Aurora, sprach laut MJBizDaily davon, strategische Alternativen sorgfältig zu bewerten.
Organigram als möglicher Gegenbieter
Am 13. Oktober meldete MJBizDaily unter Berufung auf den Branchendienst Cultivated, dass der kanadische Hersteller Organigram in den Wochen zuvor Gespräche mit Aurora geführt habe. An Organigram ist der Tabakkonzern British American Tobacco beteiligt. Beide Unternehmen haben den Bericht nicht kommentiert, ein Abschluss ist offen. Curaleaf reagierte mit scharfer Kritik an der Aurora-Führung.
Einordnung
Aurora betreibt in Leuna eine eigene Produktion für den deutschen Markt. Curaleaf hat am 30. April 2026 die restlichen 45 Prozent an Four 20 Pharma übernommen, einem deutschen Hersteller und Großhändler mit EU-GMP- und GDP-Lizenz. Curaleaf-Chef Boris Jordan bezeichnet Europa als strategischen Schwerpunkt.
Kommt die Übernahme zustande, gehören Aurora-Sorten und Four-20-Produkte künftig zu einem Konzern. Welche Folgen das für Sortiment, Preise und Lieferwege in Deutschland hätte, haben weder Curaleaf noch Aurora erläutert. Bis zum Ablauf der Annahmefrist im Dezember entscheiden die Aurora-Aktionär:innen, ob sie ihre Anteile andienen.
Was das für Patient:innen bedeutet
Solange das Verfahren läuft, bleiben Produkte und Lieferwege beider Unternehmen bestehen. Notieren Sie sich den genauen Produktnamen und die PZN Ihrer verordneten Sorte, damit Ihre Praxis bei einer späteren Umbenennung oder Sortimentsänderung gezielt ein gleichwertiges Präparat verordnen kann.
Quellen
- Aurora Cannabis (PR Newswire): Aurora Cannabis Reaffirms Recommendation to Shareholders: Reject Curaleaf's Revised Hostile Bid ·
- Curaleaf (PR Newswire über Morningstar): Curaleaf Enhances Offer to Acquire Aurora Cannabis ·
- MJBizDaily: Canadian cannabis company Organigram enters fight for Aurora ·
- Curaleaf (Cision Newswire): Curaleaf Completes Buyout of Remaining Stake in Germany's Four 20 Pharma ·
Passender Ratgeber
Cannabisrezept und KrankenkasseWeitere Artikel zu Markt
Rückblick 2021: STADA steigt in den Markt für Medizinalcannabis ein
Im März 2021 brachte STADA über die Tochter STADAPHARM eigene Cannabisblüten für Schmerzpatient:innen auf den Markt. Ein Rückblick auf den Einstieg.
Fünf Jahre Cannabisgesetz: Barmer meldete 2022 sinkende Anträge
Zum fünften Jahrestag des Cannabisgesetzes 2022 zählte die Barmer 23.123 Anträge, 68,7 Prozent davon bewilligt. Die Zahl neuer Anträge sank seit 2019 deutlich.
2018: OLG Düsseldorf stoppt erste Cannabis-Anbau-Ausschreibung
Im März 2018 untersagte das OLG Düsseldorf dem BfArM den Zuschlag für den ersten deutschen Cannabisanbau. Die geplante Ernte 2019 war damit hinfällig.