Zum Inhalt springen
CannArzt.com
Markt CannArzt-Redaktion

Australien: TGA will Regeln für Medizinalcannabis reformieren

Die australische Arzneimittelbehörde TGA prüft eine Reform für nicht zugelassene Cannabisprodukte und nimmt Anbieter ins Visier, die verschreiben und liefern.

Eingang einer Apotheke im Inneren eines Gebäudes in Sydney
Foto: Nick-D; zugeschnitten und für Web optimiert , CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Die australische Arzneimittelbehörde Therapeutic Goods Administration (TGA) hat sich in ihrem Anfang September 2026 veröffentlichten Geschäftsplan für 2026/27 vorgenommen, Reformoptionen für den Rahmen nicht zugelassener Cannabisarzneimittel zu prüfen. Dabei geht es auch um sogenannte geschlossene Lieferketten, in denen ein Unternehmensverbund verschreibt, abgibt und liefert; für Deutschland ist das interessant, weil hier ebenfalls über Telemedizin und Versand von Cannabisblüten gestritten wird.

Ein Sonderweg wird zum Massenmarkt

Medizinalcannabis erreicht Patient:innen in Australien fast ausschließlich über das Special Access Scheme (SAS), einen Zugangsweg für Präparate ohne reguläre Zulassung. In der Kategorie SAS-B wurden in den ersten acht Monaten 2026 mindestens 148.388 Entscheidungen erfasst. Weil die TGA einen Großteil der Datensätze aus Datenschutzgründen nur unvollständig veröffentlicht, schätzt Business of Cannabis die tatsächliche Zahl auf bis zu 193.000. Für das gesamte Jahr 2025 weist die Behörde 207.980 Entscheidungen aus, für 2024 noch 177.762. Monatlich liegt 2026 damit rund 7 Prozent über dem Vorjahr.

Etwa die Hälfte der Anträge betrifft THC-dominante Produkte mit weniger als 2 Prozent CBD. Behandelt werden vor allem Schmerzen, Angststörungen und Schlafprobleme.

Was die TGA ankündigt

Im Geschäftsplan steht das Ziel, passende Regeln für nicht registrierte Therapeutika zu entwickeln, ausdrücklich einschließlich geschlossener Lieferketten, Rezepturherstellung und Herstellung am Ort der Versorgung. Cannabis wird an dieser Stelle nicht namentlich genannt. Vertikal integrierte Anbieter, die über eigene Telemedizin verschreiben und über verbundene Apotheken abgeben und liefern, fallen aber genau unter diese Beschreibung. Ärzt:innen hatten bereits zuvor kritisiert, dass manche Kliniken Gebühren für die Freigabe eines ausgestellten Rezepts verlangen und Patient:innen an bevorzugte Apotheken weiterleiten.

Vorausgegangen war eine Konsultation, die die TGA am 11. August 2025 eröffnet hatte und zu der 786 Stellungnahmen eingingen. In ihrer Antwort vom 20. Februar 2026 kündigte die Behörde vor allem Aufklärung für Ärzt:innen und Patient:innen an. Wegen Verstößen gegen Werberegeln hat die TGA in zwei Jahren mehr als 165 Verwarnungsgelder über zusammen mehr als 2,3 Millionen australische Dollar verhängt.

Einordnung

Einen festen Termin für eine Reform nennt die TGA nicht. Zeitdruck entsteht dennoch: Die beiden Verordnungen, die Anbau und Herstellung von Cannabis in Australien lizenzieren, laufen am 1. April 2027 automatisch aus, wenn sie nicht neu erlassen werden.

Die geplante Änderung des deutschen Medizinal-Cannabisgesetzes setzt laut Hanf Magazin an einer anderen Stelle an: am persönlichen Arztkontakt vor der Erstverschreibung und am Versand von Blüten. Australien richtet den Blick dagegen auf die Eigentümerstruktur hinter Verschreibung und Abgabe.

Quellen

  1. Business of Cannabis: Australia’s Medical Cannabis Reforms to Target ‘Closed Loop’ Prescribing ·
  2. Hanf Magazin: Australia's TGA Cracks Down on Closed-Loop Cannabis Prescribing ·

Passender Ratgeber

Cannabisrezept und Krankenkasse

Mehr aus Markt