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Medizin CannArzt-Redaktion

Medizinisch geprüft · 25.10.2026

Bestrahlte Cannabisblüten: Weniger Keime, aber Rückstände bleiben

Strahlung senkt die Zahl lebender Schimmelpilze in Cannabisblüten um mehr als 99,9 Prozent. Abgestorbene Pilzreste und Mykotoxine kann sie nicht entfernen.

Makroaufnahme einer Cannabisblüte mit Harzdrüsen
Foto: Robbie Lee Coyle , CC0 , via Wikimedia Commons

Viele medizinische Cannabisblüten werden vor dem Verkauf mit ionisierender Strahlung behandelt, um Schimmelpilze und Bakterien abzutöten. Eine am 15. Oktober 2026 im Branchenmagazin Business of Cannabis veröffentlichte Analyse ordnet die Forschung dazu ein, was auch Patient:innen in Deutschland betrifft. Hier abgegebene Blüten werden oft in einem Land angebaut, in einem anderen verarbeitet und geprüft und anschließend importiert.

Was die Bestrahlung bewirkt

Gamma-, Elektronen- und Röntgenstrahlen schädigen das Erbgut von Mikroorganismen, sodass sie sich nicht mehr vermehren können. Radioaktiv werden die Blüten dadurch nicht. Wie gut die Behandlung wirkt, hängt von Dosis, Erregern und Bedingungen ab.

Eine israelische Studie im „Journal of Cannabis Research“ verglich 2020 drei Verfahren an Cannabisblüten. Gammastrahlung senkte die Zahl vermehrungsfähiger Hefen und Schimmelpilze um etwa das Millionenfache bei unbehandelten Proben. Bei handelsüblichen, natürlich belasteten Blüten erreichte die Elektronenbestrahlung eine Senkung um etwa das Hunderttausendfache, also um 99,999 Prozent. Auch kaltes Plasma wirkte deutlich.

James Duckenfield, Chef des britischen Herstellers Glass Pharms, rechnet in seiner Analyse vor, was das praktisch heißt. Enthält eine Blüte zehn Millionen koloniebildende Einheiten pro Gramm, bleiben nach einer Senkung um 99,999 Prozent rund 100 übrig. Glass Pharms bestrahlt die eigenen Blüten nach Angaben des Unternehmens nicht und setzt auf Hygiene, kontrollierte Trocknung und Prüfungen während der Produktion.

Was nach der Bestrahlung zurückbleibt

Die üblichen Keimzahltests erfassen nur Mikroorganismen, die im Labor noch Kolonien bilden. Abgestorbene Pilzfäden, Sporen und Bruchstücke bleiben in der Blüte und können Allergien auslösen. Auch Mykotoxine, giftige Stoffwechselprodukte mancher Schimmelpilze, baut die Strahlung nicht ab.

Eine kanadische Studie in der Fachzeitschrift „Toxins“ untersuchte 2025 gammabestrahlte Cannabisblüten mit Kultur-, Gen- und Antikörpertests. Die Bestrahlung senkte die Keimlast stark, sterilisierte die Proben aber nicht vollständig. Lebensfähige Sporen von Aspergillus, Penicillium und Fusarium blieben erhalten, außerdem fanden die Forschenden Aflatoxine, Ochratoxin und weitere Mykotoxine in unterschiedlicher Konzentration. Beide Studien betonen das Risiko für Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

THC und CBD bleiben unter den bisher untersuchten Bedingungen weitgehend stabil, bei Terpenen fielen die Ergebnisse uneinheitlich aus. Ob bestrahlte und unbestrahlte Blüten bei Beschwerden unterschiedlich gut helfen, wurde nicht untersucht.

Was das für Patient:innen bedeutet

Eine Bestrahlung senkt die Keimzahl einer Charge. Über die Sicherheit entscheiden zusätzlich saubere Anbau- und Trocknungsbedingungen sowie Prüfungen auf Keime und Mykotoxine, und das gilt für bestrahlte wie unbestrahlte Blüten gleichermaßen.

Wer ein geschwächtes Immunsystem hat, etwa während einer Chemotherapie oder nach einer Organtransplantation, kann die Apotheke bitten, das Prüfzertifikat der abgegebenen Charge mit den Werten für Hefen, Schimmelpilze und Aflatoxine vorzulegen.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

  1. Business of Cannabis: Medical Cannabis Irradiation: Is It Really Necessary? ·
  2. Journal of Cannabis Research: Effects of cold plasma, gamma and e-beam irradiations on reduction of fungal colony forming unit levels in medical cannabis inflorescences ·
  3. Toxins: Detection of Mycotoxigenic Fungi and Residual Mycotoxins in Cannabis Buds Following Gamma Irradiation ·
  4. krautinvest.de: Cannabisqualität im Weltmarkt: Wer setzt den Standard? ·

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