Medizinisch geprüft · 25.10.2026
Cannabisextrakt gegen Opioide: Weniger Verstopfung im Vergleich
VER-01 verursachte bei chronischem Kreuzschmerz in einer Studie mit 384 Erwachsenen seltener Verstopfung als Opioide. Ein Frankfurter Symposium greift das auf.
Der Schmerzmediziner Michael Ueberall wird am 4. November 2026 beim Cannabis Health Symposium in Frankfurt Cannabinoide und Opioide bei chronischen Schmerzen gegenüberstellen. Für Patient:innen in Deutschland liefert eine randomisierte Studie mit 384 Erwachsenen zu Kreuzschmerzen dafür die bislang direkteste Vergleichsgrundlage.
Der Vortrag in Frankfurt
Ueberall ist Medical Director am Center of Excellence in Health Care Research und am Institute of Neurological Sciences. In seinem Vortrag will er beide Wirkstoffgruppen bei Schmerzlinderung, Alltagsfunktion, Schlaf, Verträglichkeit, Therapietreue und Langzeitrisiken vergleichen. Laut Cannabis Health hält er die Frage für entscheidend, welche Behandlung welchem Menschen insgesamt am meisten nutzt, und weniger, welche Wirkstoffgruppe stärker ist.
Das Symposium findet im Frankfurter Mainhaus statt und richtet sich an Ärzt:innen, Forschende, Industrie und Patientenvertretungen. Ueberall beschreibt chronische Schmerzen als einen der größten ungedeckten Behandlungsbedarfe im Gesundheitswesen, bei dem die Entwicklung neuer Medikamente lange hinterhergehinkt sei.
Was der direkte Vergleich gezeigt hat
Ein Team aus Kliniken in Jena, Wien, Hannover und Albany hat den Vollspektrumextrakt VER-01 direkt mit Opioiden verglichen, die Ergebnisse erschienen im September 2025 in „Pain and Therapy“. 384 Erwachsene mit chronischen Kreuzschmerzen erhielten per Los entweder VER-01 oder eines von mehreren handelsüblichen Opioiden. Nach drei Wochen Eindosierung folgten 24 Behandlungswochen und zwei Wochen Auswaschphase.
Hauptendpunkt war das Auftreten von Verstopfung, einer typischen Opioid-Nebenwirkung. Unter VER-01 trat sie viermal seltener auf, das relative Risiko lag bei 0,25. Abführmittel brauchten die Teilnehmenden unter VER-01 etwa dreimal seltener.
Über sechs Monate sanken die Schmerzwerte unter VER-01 im Mittel um 2,50 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10, unter Opioiden um 2,16 Punkte. Der Unterschied von 0,34 Punkten war knapp statistisch signifikant. Auch der Schlaf verbesserte sich unter VER-01 etwas stärker. Bei den Nebenzielen, die nur zum Zeitpunkt nach 27 Wochen gemessen wurden, fand sich dagegen kein signifikanter Unterschied.
Was das für Patient:innen bedeutet
Der Vorteil von VER-01 liegt in dieser Studie vor allem bei der Verträglichkeit im Magen-Darm-Trakt. Bei der Schmerzlinderung war der Abstand klein. Die Ergebnisse gelten für genau diesen Extrakt bei chronischem Kreuzschmerz. Mehr zum Vergleich beider Therapien steht in unserem Überblick Cannabis vs. Opioide.
Wer ein Opioid nimmt und über einen Wechsel nachdenkt, kann die Praxis um einen schriftlichen Umstellungsplan bitten, der festlegt, in welchen Schritten die Opioiddosis sinkt und das neue Präparat eingeschlichen wird.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- Pain and Therapy: VER-01 Shows Enhanced Gastrointestinal Tolerability, Superior Pain Relief, and Improved Sleep Quality Compared to Opioids in Treating Chronic Low Back Pain: A Randomized Phase 3 Clinical Trial ·
- Cannabis Health: Pain Specialist to Examine Cannabinoids Versus Opioids at Frankfurt Symposium ·
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