Medizinisch geprüft · 25.10.2026
Review: Cannabinoide wirken bei Rücken und Migräne nur gezielt
Fünf randomisierte Studien mit 1.072 Teilnehmenden zeigen: Ob Cannabinoide bei Rückenschmerz oder Migräne helfen, hängt stark vom Präparat ab.
Eine am 22. September 2026 in „Cannabis and Cannabinoid Research“ veröffentlichte Übersichtsarbeit findet keinen allgemeinen Nutzen von Cannabinoiden bei Rückenschmerzen und Kopfschmerzerkrankungen. Für Patient:innen in Deutschland ist das wichtig, weil die Ergebnisse je nach Präparat, Einnahmeform und Beschwerdebild deutlich auseinandergehen.
Fünf Studien, sehr unterschiedliche Präparate
Ein Team aus Brasilien hat Datenbanken und Studienregister nach doppelblinden, randomisierten Studien mit Erwachsenen durchsucht. Fünf Studien mit zusammen 1.072 Teilnehmenden erfüllten die Kriterien. Sie untersuchten isoliertes Cannabidiol (CBD), das synthetische Cannabinoid Nabilon, inhalierte Cannabisprodukte und einen standardisierten Vollspektrumextrakt.
Die Autor:innen fassten die Ergebnisse beschreibend zusammen, ohne sie in einer gemeinsamen Metaanalyse zu verrechnen. Die Verlässlichkeit der Aussagen bewerteten sie mit dem GRADE-System. Die Studien unterschieden sich so stark, dass ein gemeinsamer Gesamteffekt wenig aussagekräftig gewesen wäre.
Was die Ergebnisse zeigen
Bei akuten Kreuzschmerzen wirkte eine einmalige Gabe von 400 Milligramm CBD in der eingeschlossenen Studie nicht besser als ein Scheinmedikament. Bei akuter Migräne linderte verdampftes THC in Kombination mit CBD die Schmerzen nach zwei Stunden stärker als Placebo; bei einem Teil der Endpunkte hielt die Wirkung 24 bis 48 Stunden an. Eine Variante mit überwiegend CBD zeigte dagegen keinen klaren Vorteil.
Für chronische Kreuzschmerzen stützt sich die Übersicht vor allem auf die Phase-3-Studie zum Extrakt VER-01, die 2025 in „Nature Medicine“ erschien. Darin erhielten 820 Erwachsene zwölf Wochen lang entweder VER-01 oder Placebo. Die Schmerzstärke sank unter VER-01 im Mittel um 1,9 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10, der Unterschied zu Placebo betrug 0,6 Punkte. Nebenwirkungen, meist leicht bis mittelschwer, traten unter VER-01 bei 83,3 Prozent der Teilnehmenden auf, unter Placebo bei 67,3 Prozent.
Für Nabilon bei Kopfschmerz durch Schmerzmittelübergebrauch fanden die Autor:innen nur sehr unsichere Hinweise. THC-haltige Inhalationsprodukte verursachten häufiger psychische Nebenwirkungen. Das kann die Verblindung schwächen, weil Teilnehmende spüren, ob sie den Wirkstoff erhalten. Die Forschenden fordern größere, unabhängig wiederholte Studien mit standardisierten Präparaten und längerer Beobachtung.
Was das für Patient:innen bedeutet
Die Übersicht stuft die Belege für zwei Anwendungen als mittelmäßig sicher ein: verdampftes THC mit CBD bei akuten Migräneattacken und VER-01 bei chronischen Kreuzschmerzen. Die Ergebnisse gelten jeweils für das geprüfte Produkt und gelten zunächst nur für genau dieses Produkt, andere Blüten oder Öle wurden dabei nicht geprüft.
Wer eine Cannabistherapie bei Schmerzen erwägt, kann die Praxis bitten, im Aufklärungsgespräch die konkrete Studie zu nennen, in der das vorgesehene Präparat in genau dieser Darreichungsform bei Kreuzschmerz oder Migräne geprüft wurde. Hintergründe zu Behandlungsoptionen bieten unsere Ratgeber zu chronischen Schmerzen und Migräne.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- Cannabis and Cannabinoid Research: Efficacy and Safety of Cannabinoid-Based Interventions for Low Back Pain and Migraine: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials ·
- Nature Medicine: Full-spectrum extract from Cannabis sativa DKJ127 for chronic low back pain: a phase 3 randomized placebo-controlled trial ·
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