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Medizin CannArzt-Redaktion

Medizinisch geprüft · 25.10.2026

Angststörungen: Kontrollierte Studien zu Cannabis bleiben dünn

Eine Metaanalyse in The Lancet Psychiatry findet für Cannabinoide bei Angst nur sehr unsichere Daten. Registerstudien berichten Besserungen ohne Kontrolle.

Gemälde „Angst“ von Edvard Munch mit Menschen vor rotem Himmel
Foto: Edvard Munch , Public domain , via Wikimedia Commons

Angststörungen gehören zu den häufigsten Gründen, aus denen Patient:innen nach medizinischem Cannabis fragen. Eine im März 2026 in „The Lancet Psychiatry“ erschienene Metaanalyse zeigt, wie wenig kontrollierte Daten es dafür bisher gibt, und ist damit auch für die Verordnungspraxis in Deutschland relevant.

Die Metaanalyse in Zahlen

Ein Team um den Suchtforscher Jack Wilson wertete randomisierte Studien von 1980 bis Mai 2025 aus, in denen Cannabinoide zur Behandlung psychischer Erkrankungen oder Suchterkrankungen geprüft wurden. Es fand 54 Studien mit 2.477 Teilnehmenden. 24 davon hatten ein hohes Verzerrungsrisiko, für die meisten Endpunkte stuften die Autor:innen die Verlässlichkeit als niedrig ein.

Zu Angststörungen lagen sechs Studien vor, von denen sich vier mit 293 Teilnehmenden gemeinsam auswerten ließen. Einen statistisch gesicherten Nutzen fanden die Forschenden nicht, die Verlässlichkeit dieses Ergebnisses bewerteten sie als sehr niedrig. Über alle Erkrankungen hinweg traten unter Cannabinoiden häufiger Nebenwirkungen auf als unter Placebo.

Einzelne Studien mit gemischten Ergebnissen

Einzelstudien zeichnen ein uneinheitliches Bild. In einer doppelblinden Studie zur sozialen Angststörung senkte eine einmalige Gabe von 600 Milligramm CBD die Angst während einer simulierten Rede stärker als Placebo. In einer Studie mit 80 Teilnehmenden aus dem Jahr 2022 brachte CBD als Ergänzung zur Expositionstherapie dagegen keinen zusätzlichen Nutzen.

Forschende der University of Colorado Boulder ordneten 2024 rund 300 Erwachsene mit Angstsymptomen zufällig einer von drei handelsüblichen Blütensorten zu: THC-betont, ausgeglichen oder CBD-betont. Die Teilnehmenden konsumierten nach eigenem Ermessen, eine Placebogruppe gab es nicht. Die CBD-betonte Sorte war mit geringerer Angst verbunden als die THC-betonte.

Beobachtungsdaten fallen günstiger aus. Im britischen UK Medical Cannabis Registry verbesserte sich bei 302 Menschen mit generalisierter Angststörung der Wert im Fragebogen GAD-7 nach einem Monat im Mittel um 5,3 Punkte und nach sechs Monaten um 4,5 Punkte. Ohne Vergleichsgruppe bleibt offen, welcher Anteil davon auf das Cannabis zurückgeht.

Was das für Patient:innen bedeutet

Für Angststörungen sind Psychotherapie, vor allem die kognitive Verhaltenstherapie, und bestimmte Antidepressiva gut untersucht. Cannabis kommt in Deutschland höchstens als individueller Therapieversuch infrage, und gerade THC kann Ängstlichkeit und Unruhe auch verstärken. Mehr dazu steht in unserem Überblick zu Cannabis bei Angststörungen.

Bitten Sie die Praxis, Ihre Beschwerden vor Behandlungsbeginn mit dem GAD-7-Fragebogen zu erfassen und die Messung nach vier Wochen zu wiederholen. So lässt sich nachvollziehen, ob sich die Angst tatsächlich verändert hat.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

  1. The Lancet Psychiatry: The efficacy and safety of cannabinoids for the treatment of mental disorders and substance use disorders: a systematic review and meta-analysis ·
  2. Cannabis and Cannabinoid Research: Acute and Extended Anxiolytic Effects of Cannabidiol in Cannabis Flower: A Quasi-Experimental ad libitum Use Study ·
  3. Cannabis Health: Medical Cannabis for Anxiety in the UK: What the Evidence Shows ·

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