Medizinisch geprüft · 25.10.2026
Cannabis in den Wechseljahren: Viel Nachfrage, wenig Studien
Jede dritte befragte Frau ab 35 nutzte in einer kanadischen Umfrage Cannabis, meist für den Schlaf. Kontrollierte Studien zu Wechseljahresbeschwerden fehlen.
Immer mehr Frauen fragen in den Wechseljahren nach medizinischem Cannabis, berichtet das britische Fachportal Cannabis Health in einer Übersicht vom 16. Oktober 2026. Für Frauen in Deutschland ist die Einordnung wichtig, weil der Wunsch nach Behandlung auf eine sehr dünne Studienlage trifft.
Wofür Frauen Cannabis nutzen
Die bislang größte Datengrundlage stammt aus Kanada. Forschende der University of Alberta befragten Ende 2020 online Frauen ab 35 Jahren, die sie über soziale Medien gewonnen hatten. Die Ergebnisse erschienen 2023 in „BMJ Open“. Das mittlere Alter lag bei 49 Jahren, ein Drittel war in der Perimenopause, 35 Prozent waren nach der Menopause. Von 1.485 Teilnehmerinnen gaben 34 Prozent an, aktuell Cannabis zu nutzen.
Unter diesen Nutzerinnen nannten 65 Prozent Schlafprobleme als Grund, 45 Prozent Ängstlichkeit und 33 Prozent Muskel- oder Gelenkschmerzen. 74 Prozent empfanden Cannabis als hilfreich. Die Antworten beruhen auf Selbstauskünften der Befragten.
Eine Umfrage aus dem Jahr 2022 unter 258 Frauen in und nach den Wechseljahren kam zu einem ähnlichen Bild. Auch dort waren Schlaf- und Stimmungsbeschwerden die häufigsten Gründe für den Konsum.
Was die Forschung bisher zeigt
Hinter dem Interesse steht eine biologische Überlegung. Schwankende und später sinkende Östrogenspiegel können Schlaf, Stimmung, Gelenke und Temperaturregulation beeinflussen. Laborstudien deuten auf Wechselwirkungen zwischen Geschlechtshormonen und dem Endocannabinoid-System des Körpers hin, das Forschungsfeld steht aber noch am Anfang.
Klinische Studien speziell zu Wechseljahresbeschwerden gibt es kaum. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 fand nur drei Untersuchungen, die ihre Einschlusskriterien erfüllten. Für Hitzewallungen und Nachtschweiß ist die Hormonersatztherapie deutlich besser belegt, daneben gibt es etablierte nichthormonelle Verfahren.
Cannabis Health beschreibt, dass einige Ärzt:innen medizinisches Cannabis ergänzend zu einer Hormontherapie verschreiben, etwa wenn Beschwerden trotz Behandlung bleiben oder Hormone aus gesundheitlichen Gründen nicht infrage kommen.
Was das für Patient:innen bedeutet
Medizinisches Cannabis ist in Deutschland für Wechseljahresbeschwerden ein individueller Therapieversuch ohne Studiennachweis. Am ehesten richtet sich das Interesse auf Schlafprobleme, für die es mit anderen Verfahren besser untersuchte Optionen gibt. Unser Ratgeber zu Schlafstörungen stellt sie vor.
Bitten Sie Ihre Gynäkologin oder Ihren Gynäkologen vor einem Cannabisversuch um eine ausdrückliche Prüfung, ob eine Hormonersatztherapie für Sie infrage kommt, und lassen Sie sich mögliche Gründe dagegen erklären.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
Passender Ratgeber
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