Cannabis-Apotheke Lux 99 in Hürth meldet Insolvenz an
Die Hürther Cannabis-Apotheke Lux 99 ist insolvent und arbeitet in Eigenverwaltung weiter. Inhaber Loder nennt das Ende der Kassenerstattung für Blüten.
Die auf Medizinalcannabis spezialisierte Apotheke Lux 99 in Hürth hat am 19. Oktober 2026 Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Inhaber Tobias Loder führt den Schritt auf das Ende der Kassenerstattung für Cannabisblüten zurück, das seit Ende Juli 2026 gilt und viele Kassenpatient:innen trifft.
Weiterbetrieb mit kleinerem Team
Lux 99 zählte zu den großen Cannabis-Apotheken in Deutschland. Vor der Insolvenz arbeiteten nach Angaben von APOTHEKE ADHOC mehr als 80 Menschen im Cannabisbereich der Apotheke. Loder entließ 49 spezialisierte Beschäftigte, 22 arbeiten weiter. Der Betrieb läuft in Eigenverwaltung weiter: Die Geschäftsführung bleibt im Amt und saniert unter Aufsicht eines Sachwalters, statt die Apotheke an einen Insolvenzverwalter abzugeben. Das Verfahren ist auf Sanierung angelegt und setzt voraus, dass das Insolvenzgericht keine Nachteile für die Gläubiger erwartet.
Loder ist stellvertretender Vorsitzender des Verbands der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA). Als Hauptursache für die Insolvenz nennt die Apotheke den Wegfall der Kassenerstattung für Blüten.
Folge der Erstattungsregel
Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz hat der Gesetzgeber Cannabisblüten Ende Juli 2026 aus der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen genommen. Für Apotheken, die stark auf Blütenrezepte zulasten der Kassen gesetzt hatten, ist damit ein wesentlicher Umsatz weggefallen. Das Hanf Magazin spricht drei Monate nach der Änderung von einer der ersten sichtbaren Folgen für die Versorgungsstruktur.
Gegen den Wegfall der Erstattung hatte es schon vorher Widerstand gegeben. Nach Angaben des Hanf Magazins forderte die Patientenvertretung im Gemeinsamen Bundesausschuss Bestandsschutz für laufende Therapien, die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin wandte sich an den Petitionsausschuss des Bundestages. Für spezialisierte Apotheken, die Beratung, Lagerhaltung und Prüfung von Blüten bündeln, ist das Ende der Kassenleistung ein Risiko für das gesamte Geschäftsmodell.
Was das für Patient:innen bedeutet
Kassenpatient:innen, die bisher Blüten auf Kassenrezept erhalten haben, müssen diese seit August selbst bezahlen. Lux 99 bleibt während des Verfahrens geöffnet, das Sortiment kann sich aber ändern. Selbstzahler:innen und Privatversicherte spüren die Insolvenz vor allem bei Auswahl und Lieferzeiten, wenn weniger Personal dieselbe Zahl an Bestellungen bearbeitet.
Konkret: Wenn Sie bisher bei Lux 99 versorgt wurden, fragen Sie dort vor Ihrer nächsten Bestellung nach, ob Ihre verordnete Sorte weiter vorrätig ist. Was die Kasse übernimmt, erklärt unser Ratgeber zu Cannabisrezepten und Krankenkassen.
Quellen
- APOTHEKE ADHOC: Cannabis-Apotheker Loder insolvent
- Hanf Magazin: Spezialapotheke Lux 99 meldet Insolvenz an: Das Blüten-Aus wird konkret ·
Passender Ratgeber
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