Cannabis-Preise: Blüten in Deutschland günstiger als in Großbritannien
Medizinalcannabis-Blüten kosten in Deutschland im Schnitt 6,55 Euro je Gramm und damit weniger als in Großbritannien. Bei Extrakten liegt Deutschland weit vorn.
Medizinalcannabis-Blüten waren im April 2026 in Deutschland im Durchschnitt günstiger als in Großbritannien, Extrakte dagegen deutlich teurer. Das zeigt ein am 16. Oktober 2026 aktualisierter Marktvergleich von Business of Cannabis auf Basis von Preisdaten des Analysehauses Prohibition Partners; für Patient:innen in Deutschland, die ihre Therapie selbst bezahlen, entscheidet die Darreichungsform damit stark über die Kosten.
Blüten: Deutschland unter britischem Niveau
Eine Blüte kostete in Deutschland im April im Schnitt 6,55 Euro je Gramm. Anfang 2025 lag der Durchschnitt noch bei fast 10 Euro, der Preis ist damit in gut einem Jahr um rund ein Drittel gefallen. In Großbritannien gaben private Kliniken Blüten im April für durchschnittlich 7,78 Euro je Gramm ab, umgerechnet etwa 6,80 Pfund. Dort sank der Preis binnen eines Jahres nur um rund 5 Prozent.
Als Grund für den Preisrückgang in Deutschland nennt die Analyse das stark gewachsene Angebot. Die Zahl der Blütenprodukte hat sich seit Anfang 2025 mehr als verdoppelt und lag im April bei 1.748. In Großbritannien waren es 683.
Der Marktdurchschnitt bildet allerdings ab, was über alle erfassten Produkte hinweg verlangt wird. An der Apothekentheke gelten die einzelnen Apothekenverkaufspreise. Nach einer Auswertung der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) vom September lagen sie für Blüten meist zwischen 7 und 15 Euro je Gramm, am häufigsten zwischen 8 und 9 Euro.
Extrakte: Deutschland mehr als viermal so teuer
Bei Extrakten kehrt sich das Bild um. Ein Milliliter kostete im April in Deutschland durchschnittlich 22,35 Euro, in Großbritannien 4,89 Euro. Die Produktmischung unterscheidet sich zwischen beiden Ländern, etwa bei Wirkstoffgehalt und Zusammensetzung, sodass der Literpreis nur grob vergleichbar ist.
Genauer wird der Vergleich je Milligramm THC. Die ACM hat dafür Preis und Wirkstoffmenge verschiedener Präparate gegenübergestellt. Am teuersten ist das zugelassene Fertigarzneimittel Exilby mit rund 1,40 Euro je Milligramm THC. Der Extrakt Tilray THC25 liegt bei 0,61 Euro, Sativex bei 0,44 Euro und Dronabinol als flüssige Rezeptur bei 0,24 Euro. Am unteren Ende steht der Extrakt SOMAÍ 25:1 mit 12 bis 18 Cent je Milligramm für Selbstzahler. Die ACM betont, dass es ein reiner Wirkstoffkostenvergleich ist: Die Präparate unterscheiden sich in Aufnahme im Körper, Zulassung und Evidenzlage.
Einordnung
Die Daten erklären, warum der Blütenpreis in Deutschland zum Wettbewerbsfaktor geworden ist: Viele Importeure konkurrieren mit fast 1.750 Produkten um dieselben Patient:innen. Hinzu kommt, dass die Preisstände in der ACM-Aufstellung aus unterschiedlichen Monaten stammen; die AOK-Referenzpreise sind von Oktober 2025, die Angaben zu Exilby und SOMAÍ von September 2026.
Was das für Patient:innen bedeutet
Wer selbst zahlt, vergleicht am besten den Preis je Milligramm THC statt je Gramm oder Milliliter. Lassen Sie sich in der Apotheke für Ihr verordnetes Präparat den Apothekenverkaufspreis und den THC-Gehalt der Packung nennen und teilen Sie den Preis durch die enthaltenen Milligramm THC. Liegt Ihr Wert nahe am oberen Ende der ACM-Spanne von 0,12 bis 1,40 Euro, sprechen Sie Ihre Praxis gezielt auf ein günstigeres Präparat mit gleichem Wirkstoffgehalt an.
Quellen
- Business of Cannabis: UK vs Germany – Medical Cannabis Products & Prices (2026 Update) ·
- Hanf Magazin: Was ein Milligramm THC kostet: der ACM-Preisvergleich ·
- Hanf Journal: Cannabispreise im Vergleich: Deutschland und Großbritannien ·
Passender Ratgeber
Cannabisrezept und KrankenkasseWeitere Artikel zu Markt
Rückblick 2021: STADA steigt in den Markt für Medizinalcannabis ein
Im März 2021 brachte STADA über die Tochter STADAPHARM eigene Cannabisblüten für Schmerzpatient:innen auf den Markt. Ein Rückblick auf den Einstieg.
Fünf Jahre Cannabisgesetz: Barmer meldete 2022 sinkende Anträge
Zum fünften Jahrestag des Cannabisgesetzes 2022 zählte die Barmer 23.123 Anträge, 68,7 Prozent davon bewilligt. Die Zahl neuer Anträge sank seit 2019 deutlich.
2018: OLG Düsseldorf stoppt erste Cannabis-Anbau-Ausschreibung
Im März 2018 untersagte das OLG Düsseldorf dem BfArM den Zuschlag für den ersten deutschen Cannabisanbau. Die geplante Ernte 2019 war damit hinfällig.