Tilray: Auslandsgeschäft mit Cannabis wächst, Kanada schrumpft
Tilray steigert im ersten Geschäftsquartal den Umsatz mit Cannabis außerhalb Kanadas um gut ein Fünftel. Den Konzern tragen inzwischen Bier und Pharmahandel.
Der kanadische Konzern Tilray Brands hat am 8. Oktober 2026 Zahlen für das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2027 vorgelegt: Der Umsatz mit Cannabis außerhalb Kanadas stieg um gut ein Fünftel, während das Geschäft im Heimatmarkt zurückging. Für Deutschland ist das relevant, weil Tilray hier Medizinalcannabis anbaut und vertreibt und Europa damit für den Konzern an Gewicht gewinnt.
Die Zahlen im Überblick
Das Quartal endete am 31. August 2026. Der Gesamtumsatz wuchs gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 Prozent von 209,5 auf 257,1 Millionen US-Dollar. Das Cannabisgeschäft insgesamt sank dagegen von 64,5 auf 56,1 Millionen US-Dollar. Innerhalb dieses Bereichs legte das internationale Geschäft von 13,4 auf 16,2 Millionen US-Dollar zu. Sein Anteil am Cannabisumsatz stieg damit von 21 auf 29 Prozent. Mit medizinischem Cannabis in Kanada setzte Tilray noch 4,7 Millionen US-Dollar um, nach 6,1 Millionen im Vorjahr.
Den größten Umsatzbeitrag liefern inzwischen andere Sparten. Das Getränkegeschäft wuchs um 82 Prozent auf 101,5 Millionen US-Dollar, vor allem durch die Übernahme der Brauerei BrewDog. Der Pharmagroßhandel steigerte den Umsatz um 14 Prozent auf 84,3 Millionen US-Dollar. Für die Region Europa, Naher Osten und Afrika meldet Tilray insgesamt ein Umsatzplus von 71 Prozent, getragen von Medizinalcannabis, Getränken und Pharmahandel.
Verlust trotz Rekordumsatz
Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 40,0 Millionen US-Dollar. Tilray führt ihn überwiegend auf nicht zahlungswirksame Belastungen zurück und weist einen bereinigten Verlust von 3,0 Millionen US-Dollar aus. Das bereinigte operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) sank von 10,2 auf 9,2 Millionen US-Dollar; rund 1,7 Millionen davon entfielen nach Unternehmensangaben auf gestiegene Treibstoffzuschläge. Für das Geschäftsjahr bis Ende Mai 2027 bestätigte Tilray seine Prognose von 68 bis 75 Millionen US-Dollar bereinigtem EBITDA.
Einordnung
Konzernchef Irwin D. Simon verweist auf mehr als sechs Millionen Quadratfuß Anbaufläche in Kanada, Portugal und Deutschland sowie auf eine der größten EU-GMP-zertifizierten Produktionsbasen der Branche. Die Zahlen zeigen eine klare Verschiebung: Das Geschäft in Kanada schrumpft, das Wachstum im Cannabisbereich kommt aus dem Ausland, zu dem auch der deutsche Medizinalmarkt gehört.
Wie viel des internationalen Umsatzes auf Deutschland entfällt, weist Tilray in der Mitteilung nicht gesondert aus. Das Hanf Journal ordnet die Entwicklung als Identitätswandel ein: Tilray wird weniger abhängig von Cannabispreisen und einzelnen Regulierungsentscheidungen, weil Bier und Pharmahandel schwächere Cannabisumsätze auffangen.
Quellen
- Tilray Brands (GlobeNewswire): Tilray Brands Delivers Record Q1 Fiscal 2027 Revenue and Record Q1 Gross Profit ·
- Hanf Journal: Tilray: Rekordumsatz, aber Cannabis schrumpft ·
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