Portugal: Anbau und Export von Medizinalcannabis
Portugal ist nach Kanada der zweitgrößte Lieferant für deutsche Apotheken. Wie Infarmed den Anbau kontrolliert und warum der Inlandsmarkt klein bleibt.
Portugal ist für die deutsche Versorgung mit Medizinalcannabis das wichtigste Herkunftsland nach Kanada. Laut BfArM kamen 2025 rund 55 Tonnen der insgesamt gut 201 Tonnen importierten Blüten und Extrakte aus Portugal. Im eigenen Land spielt Cannabis als Arznei dagegen nur eine kleine Rolle: Der portugiesische Markt ist vor allem auf den Export ausgerichtet.
Wie Portugal zum Produktionsstandort wurde
Den Anstoß gaben Unternehmen aus dem Ausland. Laut der Arzneimittelbehörde Infarmed meldeten 2016 und 2017 mehrere internationale Firmen Interesse an, in Portugal Cannabis für medizinische Zwecke anzubauen und zu verarbeiten. Daraufhin begann der Staat, den Bereich gesondert zu regeln. Für Importe nach Deutschland ist diese Regulierung entscheidend, weil nur kontrollierte Ware mit den nötigen Zertifikaten in deutsche Apotheken gelangt.
Die Grundlage bildet das Gesetz Nr. 33/2018 vom 18. Juli 2018, das am 1. August 2018 in Kraft trat. Es legt fest, dass Infarmed Anbau, Herstellung, Großhandel, Import und Export überwacht und dass jedes Cannabisprodukt eine Zulassung der Behörde braucht. Das Gesetzesdekret Nr. 8/2019 vom 15. Januar 2019 regelt die Einzelheiten. Infarmed hat sich nach eigenen Angaben dabei an den Programmen in Dänemark, den Niederlanden und Italien orientiert und für Lizenzierung und Inspektion die Verfahren Kanadas und Israels ausgewertet.
Wer in Portugal anbauen darf
Seit April 2021 beschreibt die Portaria Nr. 83/2021 das Genehmigungsverfahren. Antragsteller legen unter anderem Wirtschaftlichkeitsstudien sowie Investitions- und Finanzierungspläne vor. Vor der Entscheidung holt Infarmed Stellungnahmen weiterer Stellen ein, darunter der Wirtschaftsagentur IAPMEI und der Kriminalpolizei; die Polizei PSP inspiziert die Sicherheitsvorkehrungen der Anlagen. Fachlich verlangt Infarmed für den Anbau die gute Praxis in Anbau und Ernte (GACP) und für die Herstellung die gute Herstellungspraxis (GMP).
Die Zahl der Genehmigungen ist in wenigen Jahren deutlich gewachsen. Ende 2025 hatten 38 Unternehmen eine Anbauerlaubnis, 2022 waren es 20. Herstellungserlaubnisse stiegen im selben Zeitraum von 9 auf 28, Genehmigungen für Import und Export von 27 auf 49. Infarmed inspizierte 2025 insgesamt 57 Anbau- und Herstellungsbetriebe, nach 38 im Vorjahr.
Die Exportzahlen
Laut Infarmed verließen 2025 knapp 79.900 Kilogramm Pflanzenmaterial, Zubereitungen und Wirkstoffe das Land. 2024 waren es rund 31.200 Kilogramm, 2023 knapp 12.000. Mit Abstand wichtigstes Ziel ist Deutschland: 2025 gingen nach der portugiesischen Statistik 58.257 Kilogramm hierher, 2022 erst 3.685 Kilogramm. Weitere Abnehmer waren 2025 unter anderem Dänemark mit 5.785, Spanien mit 5.303, Polen mit 4.142 und das Vereinigte Königreich mit 4.121 Kilogramm.
Die deutsche Seite erfasst die Mengen etwas anders. Das BfArM zählt Einfuhren von Blüten und Extrakten, letztere umgerechnet auf die eingesetzte Blütenmenge. In dieser Statistik stand Portugal 2025 mit 55.164 Kilogramm auf Platz zwei hinter Kanada mit 93.006 Kilogramm und weit vor Dänemark auf Platz drei mit 9.319 Kilogramm. Beide Zahlenreihen zeigen dieselbe Entwicklung: Der Anstieg der Exporte fällt mit dem starken Wachstum des deutschen Marktes seit dem Inkrafttreten des Medizinal-Cannabisgesetzes im April 2024 zusammen.
Infarmed weist darauf hin, dass ein Teil der Ausfuhren in die EU als Rohstoff für die Weiterverarbeitung in anderen Mitgliedstaaten bestimmt ist. Das Herkunftsland auf einer Packung in der deutschen Apotheke sagt deshalb nicht immer, wo das Produkt verpackt oder freigegeben wurde.
Strengere Kontrollen seit 2025
Mit dem Wachstum hat Infarmed die Aufsicht verschärft. Im Bericht für 2025 beschreibt die Behörde gezieltere Inspektionen bei lückenhaften Aufzeichnungen, Widersprüchen und fehlenden Belegen zur Rückverfolgbarkeit. Im selben Jahr setzte sie Genehmigungen aus, widerrief sie oder verlängerte sie nicht, wenn Betriebe die Anforderungen nicht erfüllten.
Besonders betont Infarmed die Pflicht der Unternehmen, Kunden und Lieferanten sorgfältig zu prüfen. Diese Verantwortung liegt nach den Regeln der guten Vertriebspraxis vollständig bei den Firmen und lässt sich nicht delegieren; Geschäfte ohne Prüfung der Gegenseite wertet die Behörde als schweren Verstoß. Für die kommenden Jahre erwartet Infarmed, dass sich der Markt nach der Expansionsphase stabilisiert.
Der portugiesische Inlandsmarkt
Für Patient:innen in Portugal ist der Zugang eng gefasst. Ärzt:innen dürfen Cannabisprodukte nur auf einem besonderen Rezept verordnen und nur dann, wenn herkömmliche zugelassene Behandlungen nicht wie erwartet wirken oder erhebliche Nebenwirkungen verursachen. Abgegeben wird ausschließlich in Apotheken. Infarmed hat 2019 eine Liste der Anwendungsgebiete veröffentlicht, für die Cannabiszubereitungen in Frage kommen.
Bis Ende 2025 hatte die Behörde 16 Cannabiszubereitungen für den portugiesischen Markt zugelassen. Die Zulassungen halten vier Unternehmen, darunter Tilray Portugal und Somaí Pharmaceuticals. Verordnet wurden 2025 laut Infarmed 7.023 Packungen, nach 4.143 im Jahr 2024 und 460 im Jahr 2021. Gemessen an den exportierten Tonnen bleibt der Inlandsbedarf damit gering.
Was das für Patient:innen bedeutet
Wer in Deutschland Blüten oder Extrakte aus portugiesischem Anbau bekommt, erhält ein Produkt, das unter staatlicher Aufsicht nach GACP angebaut und für den Export genehmigt wurde. Die Einfuhr nach Deutschland braucht zusätzlich eine Erlaubnis des BfArM; Qualität und Freigabe prüfen hier Importeur und Apotheke. Wie sich das Medizinal-Cannabisgesetz in diesen Rahmen einfügt, erklärt unser Ratgeber zu BtMG, AMG und MedCanG.
Ein konkreter Schritt: Lassen Sie sich in der Apotheke zu Ihrem Präparat das Herkunftsland und den Hersteller nennen und notieren Sie beides zusammen mit Sorte und Wirkstoffgehalt. Wechselt das Präparat wegen eines Lieferengpasses, können Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt so genau sagen, womit Sie bisher behandelt wurden. Preise für dieselbe Sorte unterscheiden sich zwischen Apotheken oft deutlich; wie Sie vergleichen, steht im Ratgeber zu Apothekenpreisen.
Quellen
- INFARMED, I.P.: Canábis Medicinal – Evolução de atividade 2025
- Diário da República: Lei n.º 33/2018, de 18 de julho ·
- INFARMED, I.P.: Canábis para fins medicinais
- Diário da República: Portaria n.º 83/2021, de 15 de abril (konsolidierte Fassung) ·
- ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: Die Apotheke – Zahlen, Daten, Fakten 2026: Medizinisches Cannabis (Importmengen nach Herkunftsländern, Quelle BfArM)
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