Zum Inhalt springen
CannArzt.com
Politik CannArzt-Redaktion Rückblick:

Drogenaffinitätsstudie 2025: Kein Konsumschub nach Teillegalisierung

Die BIÖG-Befragung von 7.001 jungen Menschen zeigt 2025 keinen generellen Anstieg bei illegalen Drogen und Cannabis, aber mehr Konsum bei jungen Männern.

Gruppe junger Menschen auf einer Fußgängerbrücke an einem Kanal, im Hintergrund Bäume und mehrstöckige Gebäude
Foto: Fons Heijnsbroek; zugeschnitten und für Web optimiert , CC0 , via Wikimedia Commons

Im Juni 2026 hat das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) den Teilband Illegale Drogen seiner Drogenaffinitätsstudie 2025 veröffentlicht, im Juli folgte eine Trendanalyse zum Cannabiskonsum. Beide Auswertungen sind die ersten repräsentativen Daten ein Jahr nach der Teillegalisierung und finden keinen generellen Konsumschub bei jungen Menschen.

Wie die Studie arbeitet

Die Drogenaffinitätsstudie wird seit 1973 in Abständen von drei bis vier Jahren wiederholt, früher unter dem Namen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Für die Welle 2025 befragte das Institut forsa vom 22. April bis 3. Juli 2025 insgesamt 7.001 Personen zwischen 12 und 25 Jahren in computergestützten Telefoninterviews, 3.031 Jugendliche und 3.970 junge Erwachsene. Die Ausschöpfung lag bei 35,5 Prozent im Festnetz und 27,4 Prozent im Mobilfunk.

Die Ergebnisse beruhen auf Selbstauskünften. Gewichtungen gleichen die Stichprobe an die Bevölkerung an, wer nicht teilnimmt oder Konsum verschweigt, kann die Zahlen trotzdem verzerren. Eine Querschnittsbefragung zeigt zudem Veränderungen, aber keine Ursachen.

Illegale Drogen: stabil bei Jugendlichen, mehr Kokain bei jungen Erwachsenen

Laut Teilband hatten 2,5 Prozent der 12- bis 17-Jährigen schon einmal eine illegale Droge ausprobiert, 1,6 Prozent in den letzten zwölf Monaten. Bei den 18- bis 25-Jährigen lagen die Werte bei 18,7 und 8,3 Prozent. Am häufigsten hatten beide Altersgruppen Lachgas probiert, das 2025 erstmals abgefragt wurde, am seltensten Crack.

Bei Jugendlichen veränderte sich der Konsum illegaler Drogen zwischen 2015 und 2025 statistisch nicht signifikant. Bei jungen Frauen und Männern stieg er dagegen, vor allem durch Kokain. Dass die Opioid-Werte 2025 höher ausfielen, führt das BIÖG auf die erweiterte Frage zurück, die nun auch Fentanyl, Tramadol und Tilidin nannte.

Cannabis: Trend statt Sprung

Den Cannabisteil der Studie hatte das BIÖG bereits im September 2025 vorgelegt. Bei Jugendlichen gab es gegenüber 2023 keine signifikanten Veränderungen: 7,2 Prozent der Jungen und 4,6 Prozent der Mädchen hatten im letzten Jahr konsumiert. Bei jungen Männern stieg die Zwölf-Monats-Prävalenz von 26,9 auf 31,6 Prozent, bei jungen Frauen lag sie bei 18,8 Prozent.

Die Trendanalyse im Journal of Health Monitoring vom 1. Juli 2026 ordnet das ein. Sie wertet zwölf repräsentative Befragungen seit 2008 mit logistischen Regressionsmodellen aus. Der Anstieg bei jungen Männern setzt danach einen Trend fort, der seit 2008 besteht. Einen Hinweis auf einen unmittelbaren Effekt der Teillegalisierung fanden die Autor:innen nicht. Gestiegen ist allerdings die subjektive Verfügbarkeit bei jungen Erwachsenen, von 31,4 auf 39,2 Prozent.

Was daraus wurde

Politisch blieb der Befund umstritten. Zum zweiten Zwischenbericht der KCanG-Evaluation am 1. April 2026 sah die Bundesregierung dringenden Handlungsbedarf, vor allem weil Frühinterventionen für Jugendliche stark zurückgegangen sind. Die Drogenaffinitätsstudie misst dagegen die Verbreitung des Konsums. Was das Gesetz regelt, erklärt unser Lexikon-Eintrag zum KCanG. Die RKI-Autor:innen empfehlen, die weitere Entwicklung mit neuen Studien zu beobachten.

Was das für Patient:innen bedeutet

Die Studie erfasst Konsum allgemein und unterscheidet nicht nach ärztlicher Verordnung. Sie liefert deshalb keine Aussage über Medizinalcannabis, prägt aber die Debatte, in der Jugendschutz und Regeln für Medizinalcannabis häufig gemeinsam verhandelt werden.

Problematischen Konsum stellte das BIÖG 2025 bei 10,7 Prozent der konsumierenden Jugendlichen und 13,2 Prozent der konsumierenden jungen Erwachsenen fest. Wenn Sie unter 25 sind und eine Cannabistherapie erwägen, sprechen Sie Risiken wie Abhängigkeit und Psychosen offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an. Den Forschungsstand zu Psychosen fasst unser Beitrag zum Psychoserisiko zusammen.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Die Drogenaffinität Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2025 – Teilband Illegale Drogen (BIÖG-Forschungsbericht)
  2. Robert Koch-Institut, Journal of Health Monitoring: Ein Jahr nach der Teillegalisierung in Deutschland: Trends des Cannabiskonsums junger Menschen von 2008 bis 2025 ·
  3. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Die Drogenaffinität Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2025 – Cannabis
  4. Bundesministerium für Gesundheit: Zweite Evaluation zur Cannabis-Teillegalisierung ·

Passender Ratgeber

Cannabisrezept und Krankenkasse

Mehr aus Politik