Red White & Bloom übernimmt mittelbar die Mehrheit an Grünhorn
Im September 2026 sicherte sich die kanadische Red White & Bloom über eine Holding 50,1 Prozent an Grünhorn, einem großen Versender von Medizinalcannabis.
Die kanadische Red White & Bloom Brands (RWB) hat am 11. September 2026 über eine Holding mittelbar 50,1 Prozent an der Leipziger Grünhorn Gruppe übernommen. Damit kontrolliert ein börsennotierter nordamerikanischer Cannabiskonzern einen der großen deutschen Versender von Medizinalcannabis, während in Berlin über ein Versandverbot für Blüten beraten wird.
Wie die Transaktion aufgebaut ist
RWB erwarb nach eigenen Angaben rund 62,63 Prozent an der neu gegründeten HEAL Europe Holdings von deren Muttergesellschaft HEAL Botanicals Pharma, und zwar zu einem nominalen Kaufpreis. HEAL Europe hält 80 Prozent an der Grünhorn Gruppe AG, daraus ergibt sich der mittelbare Anteil von 50,1 Prozent. Die übrigen 20 Prozent liegen laut APOTHEKE ADHOC bei einer gleichnamigen Holding in der Schweiz.
Finanziell ruht der Einstieg vor allem auf einem Kredit: RWB stellt HEAL Europe eine besicherte Kreditlinie von bis zu 25 Millionen kanadischen Dollar zur Verfügung, 18,7 Millionen waren zum Abschluss bereits ausgezahlt. Der Zins beträgt 12 Prozent, die Laufzeit endet im September 2029. Zur Plattform gehören außerdem Beteiligungen an der britischen Privatklinik Zerenia Clinics und an Leva HEAL, die RWB jeweils zu rund 61,3 Prozent zuzurechnen sind.
Wer Grünhorn ist
Grünhorn verbindet nach eigener Darstellung Versandapotheke, pharmazeutischen Großhandel, Fulfillment, Logistik und digitale Zugänge für Patient:innen. In den zwölf Monaten bis Juli 2026 hat die Gruppe rund 290.000 Rezepte für Medizinalcannabis beliefert. Die gesamte neue Europa-Plattform von RWB gab im selben Zeitraum mehr als zwölf Tonnen Medizinalcannabis ab oder vertrieb sie.
HEAL war bereits im Juli 2026 bei Grünhorn eingestiegen. Die Leipziger betonten, dass Lieferfähigkeit, Ansprechpartner und Abläufe für Apotheken, Großhandelskunden und verordnende Ärzt:innen unverändert bleiben.
Warum der deutsche Markt lockt
RWB begründet den Schritt mit dem Wachstum in Deutschland seit den Reformen von 2024. Beide Unternehmen nennen Importe von rund 73 Tonnen Cannabisblüten 2024 und rund 205 Tonnen 2025. RWB verweist zudem auf Branchendaten, nach denen der Apothekenmarkt für Medizinalcannabis 2025 mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erreicht habe. Wie stark die Importe Anfang 2026 weiter stiegen, zeigt unser Beitrag zu den Cannabis-Importen.
Für RWB ist es eine Neuausrichtung. Das Unternehmen hatte zuvor sein Geschäft in Florida verkauft und in Kanada den Anbieter Ayurcann übernommen, wie RWB-Präsident Colby De Zen erläuterte.
Was daraus wurde
Das größte Risiko für das Geschäftsmodell liegt in der Gesetzgebung. Der Regierungsentwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes (Drucksache 21/3061) will die Abgabe von Cannabisblüten an Endverbraucher:innen im Versand verbieten und Blütenrezepte an einen persönlichen Arztkontakt binden. Die Begründung nennt ausdrücklich die Kombination aus Online-Fragebogen auf Telemedizinplattformen und Versand über kooperierende Versandapotheken.
Beschlossen ist der Entwurf bislang nicht. Käme das Versandverbot, müssten Versender wie Grünhorn die Belieferung mit Blüten umstellen; der Entwurf beziffert diesen Umstellungsaufwand für Apotheken nicht. Den Stand des Verfahrens beschreibt unser Beitrag zur MedCanG-Novelle.
Für Patient:innen, die ihre Rezepte über Grünhorn einlösen, ändert der Eigentümerwechsel nach Angaben des Unternehmens zunächst nichts. Welche gemeinsamen Schwerpunkte Grünhorn, HEAL und RWB setzen, wollten die Partner im September 2026 erst in den folgenden Wochen konkretisieren.
Quellen
- Red White & Bloom Brands Inc.: Red White & Bloom Brands Expands Into Europe with Strategic Cannabis Transaction ·
- Grünhorn Gruppe: Grünhorn gewinnt Red White & Bloom als strategischen Gesellschafter ·
- APOTHEKE ADHOC: Kanadier steigen bei Grünhorn ein ·
- Deutscher Bundestag: Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes (Drucksache 21/3061) ·
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