Woher kommt Medizinalcannabis? Die wichtigsten Importländer
Kanada und Portugal liefern den Großteil der Cannabisblüten für deutsche Apotheken. Welche Länder dazukommen und welche Regeln für den Import gelten.
Der größte Teil der Cannabisblüten in deutschen Apotheken stammt aus Kanada und Portugal. Nach der Länderauswertung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) kamen 2025 rund 93 Tonnen aus Kanada und 55 Tonnen aus Portugal, zusammen knapp drei Viertel aller eingeführten Blüten. Insgesamt führt die Statistik für 2025 mehr als 20 Lieferländer auf, von Dänemark über Nordmazedonien bis Lesotho.
Die Lieferländer 2025
Die Länderauswertung des BfArM summiert sich für 2025 auf rund 201 Tonnen getrockneter Cannabisblüten. Die zehn größten Lieferländer waren:
- Kanada: 93.006 kg (46 Prozent)
- Portugal: 55.164 kg (27 Prozent)
- Dänemark: 9.319 kg
- Nordmazedonien: 8.190 kg
- Malta: 4.858 kg
- Spanien: 4.794 kg
- Tschechien: 4.718 kg
- Australien: 4.190 kg
- Südafrika: 3.725 kg
- Vereinigtes Königreich: 3.590 kg
Dahinter folgen Kolumbien, die Niederlande, Österreich, Lesotho und Argentinien, außerdem kleinere Mengen aus der Schweiz, Griechenland, Uruguay, Simbabwe, Neuseeland, Polen und Israel. Etwa 41 Prozent der Menge kamen aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union, rund zwei Drittel davon allein aus Portugal.
Im ersten Quartal 2026 hat sich das Gewicht weiter verschoben. Kanada stellte nach der Länderauswertung rund 53 Prozent der Einfuhren, Portugal rund 21 Prozent. Tschechien rückte mit gut 2 Tonnen auf Platz vier vor.
Wie sich die Herkunft seit 2017 verändert hat
In den ersten Jahren nach dem Gesetz „Cannabis als Medizin“ war der Markt klein und auf wenige Länder verteilt. Bis 2023 wies das BfArM Blüten und Extrakte gemeinsam aus; Extrakte rechnete es dafür in die zu ihrer Herstellung nötige Blütenmenge um. Die Werte dieser Jahre sind deshalb nicht direkt mit denen ab 2024 vergleichbar, die nur Blüten erfassen.
2017 und 2018 waren die Niederlande das wichtigste Lieferland. 2018 kamen von dort rund 2,4 Tonnen, aus Kanada rund 1,7 Tonnen. Ab 2019 lag Kanada vorn und baute den Abstand Jahr für Jahr aus: 2023 waren es rund 16,9 Tonnen, gegenüber 2,6 Tonnen aus den Niederlanden.
Portugal taucht 2019 erstmals in der Statistik auf, mit 460 Kilogramm. Bis 2023 stieg die Menge auf rund 4,1 Tonnen, 2025 auf mehr als 55 Tonnen. Dänemark lieferte ab 2020 und erreichte 2022 rund 4,4 Tonnen. Andere Länder blieben Episoden: Aus Uganda kamen 2022 gut 1,1 Tonnen, 2023 nur noch knapp 150 Kilogramm, danach nichts mehr.
2023 verbreiterte sich die Liste deutlich. Kolumbien, Spanien, Lesotho und Uruguay lieferten erstmals Mengen von mehreren hundert Kilogramm, Nordmazedonien war schon 2022 mit rund 1,3 Tonnen dabei. Ab 2024 spielen außerdem Malta, Südafrika und Tschechien eine größere Rolle.
Manche Lieferbeziehungen schwanken stark. Aus Uruguay kamen 2024 knapp 1,7 Tonnen, 2025 nur noch rund 200 Kilogramm. Malta steigerte sich von 161 Kilogramm im Jahr 2024 auf fast 4,9 Tonnen 2025 und lieferte im ersten Quartal 2026 nur noch 95 Kilogramm.
Welche Länder überhaupt liefern dürfen
Medizinalcannabis kann nach Angaben des BfArM aus jedem Staat eingeführt werden, der den Anbau zu medizinischen Zwecken unter staatlicher Kontrolle nach dem Einheits-Übereinkommen von 1961 über Suchtstoffe durchführt und Cannabis in Arzneimittelqualität anbieten kann. Diese Linie hat die Bundesregierung 2022 in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage bestätigt.
Für die Einfuhr braucht das importierende Unternehmen eine Erlaubnis der Bundesopiumstelle im BfArM nach § 4 des Medizinal-Cannabisgesetzes. Über §§ 12 und 14 MedCanG gelten zusätzlich die Vorgaben der Betäubungsmittel-Außenhandelsverordnung. Kommen Arzneimittel aus Staaten außerhalb der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums, verlangt das Arzneimittelgesetz außerdem grundsätzlich eine Einfuhrerlaubnis der zuständigen Landesbehörde (§ 72 AMG). Nach § 72a AMG muss die Behörde des Herstellungslandes in der Regel bestätigen, dass dort nach den EU-Regeln der Guten Herstellungspraxis oder gleichwertigen Standards produziert und regelmäßig kontrolliert wird.
Wer über die Herkunft entscheidet
Das BfArM koordiniert die Einfuhren nicht. Es erteilt die nötigen Erlaubnisse und Genehmigungen, hat aber nach eigener Darstellung keinen Einfluss darauf, ob und in welchem Umfang die berechtigten Unternehmen importieren. Aus welchen Ländern die Ware kommt, ist damit eine Entscheidung der Importeure und ihrer Lieferanten.
Die Länderauswertung nennt keine Unternehmen, Marken oder Sorten. Sie zeigt nur, wie viele Kilogramm aus welchem Land eingeführt wurden. Rückschlüsse auf die Qualität einzelner Lieferländer erlaubt sie nicht. Für alle Blüten gelten in deutschen Apotheken dieselben Anforderungen des Europäischen Arzneibuchs, die der Beitrag zur Monografie für Cannabisblüten erklärt.
Was beim Lesen der Zahlen zu beachten ist
Die Länderauswertung hat nicht immer denselben Datenstand wie die Quartalsgrafik des BfArM. Für das erste Quartal 2026 summieren sich die Länderwerte auf 50,5 Tonnen, die inzwischen korrigierte Quartalsgrafik nennt 67,6 Tonnen. Auch für 2025 ergibt die Länderauswertung mit rund 201 Tonnen etwas weniger als die Quartalssumme von rund 205 Tonnen. Prozentanteile beziehen sich in diesem Beitrag deshalb auf die Summe der Länderauswertung.
Spät gemeldete Einfuhren können die Verteilung noch verändern. Wie die Statistik entsteht und warum sich Werte nachträglich verschieben, beschreibt der Beitrag zur BfArM-Importstatistik.
Einordnung
Der weitaus größte Teil des Medizinalcannabis in Deutschland kommt aus dem Ausland. Die Bundesregierung bezifferte die Menge aus deutschem Anbau, die das BfArM von Januar bis September 2022 erwarb, auf rund eine Tonne, während im selben Zeitraum rund 8,4 Tonnen Blüten an Apotheken gingen. Der Anbau im Inland ist seit dem Medizinal-Cannabisgesetz vom April 2024 für weitere Unternehmen geöffnet, spielt mengenmäßig aber eine kleine Rolle, wie der Beitrag zum Anbau in Deutschland zeigt. Die Abhängigkeit von wenigen Lieferländern ist dabei gewachsen: 2025 kamen aus Kanada und Portugal zusammen mehr Blüten als aus allen anderen Ländern zusammen in den Jahren 2017 bis 2023.
Quellen
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): FAQ Medizinisches Cannabis: Einfuhr und Ausfuhr (mit Grafiken zu Einfuhren nach Ländern)
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Medizinalcannabis: Importmengen steigen weiter an ·
- Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung: Anbau und Import von medizinischem Cannabis in Deutschland, Drucksache 20/4755 ·
- Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de): Arzneimittelgesetz, § 72 Einfuhrerlaubnis und § 72a Zertifikate
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