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Politik CannArzt-Redaktion

Linnemann will Cannabisblüten nur nach Arztbesuch

Bundesgesundheitsminister Linnemann rechnet 2026 mit 300 Tonnen Blütenimporten und fordert persönlichen Arztkontakt sowie ein Ende des Versands.

Arbeitsplatz eines telemedizinischen Netzwerks in Albanien
Foto: U.S. Army Corps of Engineers Europe District , Public domain , via Wikimedia Commons

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat am 15. September 2026 beim Deutschen Apothekertag in München gefordert, Cannabisblüten nur noch nach persönlichem Arztkontakt zu verschreiben und nicht mehr zu verschicken. Für Patient:innen, die Blüten über Online-Plattformen beziehen, erhöht er damit den Druck auf einen Gesetzentwurf, der seit Dezember 2025 im Bundestag liegt.

Der Minister und seine Zahl

Linnemann ist seit dem 29. Juli 2026 Bundesminister für Gesundheit; zuvor war er Generalsekretär der CDU. In München nannte er eine Prognose seines Ministeriums: 2026 werde Deutschland rund 300 Tonnen Medizinalcannabisblüten importieren. Das entspricht laut Apotheken Umschau einer Verzehnfachung binnen drei Jahren.

Der Minister wertet den Anstieg als Zeichen für Missbrauch. „Konsumcannabis auf Knopfdruck per Versandhandel, das hat nichts mehr mit Gesundheitsversorgung zu tun“, sagte er nach dem Bericht der Apotheken Umschau. Die 300 Tonnen sind eine Prognose für das laufende Jahr; das Hanf Magazin ordnet sie als Anlass für Linnemanns Vorstoß zu schärferen Regeln ein.

Was eine Importmenge zeigt

Eine Importzahl misst Ware. Sie sagt nicht, wie viele Menschen Blüten erhalten, wegen welcher Erkrankung oder mit welchem Ergebnis. Seit dem 30. Juli zahlen die Krankenkassen ohnehin keine Blüten mehr (Hintergrund), neue Blütentherapien laufen also über Privatrezepte.

Die Bundesregierung hatte schon im Gesetzentwurf mit Daten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte argumentiert. Danach wuchsen die Importe 2024 deutlich schneller als die Verordnungen auf Kassenrezept. Belegt ist damit ein Abstand zwischen beiden Reihen, aber keine Zahl unberechtigter Rezepte.

Was er fordert

Linnemann will, dass Blüten nur nach direktem Kontakt mit einer Ärztin oder einem Arzt verschrieben und nicht mehr per Versand an Patient:innen geliefert werden. Beides steht bereits im Entwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes, den unser Beitrag zur MedCanG-Novelle im Detail erklärt. Die Gespräche der Koalitionsfraktionen müssten nun zum Erfolg kommen, sagte der Minister.

Die SPD-Fraktion zeigt sich zurückhaltend. Ihr Gesundheitspolitiker Matthias Mieves kündigte laut Pharmazeutischer Zeitung keine Kehrtwende an und stellte die Versorgung in den Vordergrund. Kritiker:innen halten ein Versandverbot zudem für unvereinbar mit EU-Recht.

Einordnung

Linnemanns Rede ist eine politische Forderung des zuständigen Ministers; geändert hat sie die Rechtslage nicht. Der Entwurf ist weder beschlossen noch verkündet, und neun Tage nach dem Apothekertag hing er nach Angaben der Pharmazeutischen Zeitung weiter fest. Bis der Bundestag entscheidet, gelten für Blütenrezepte die bestehenden Regeln des MedCanG.

Quellen

  1. Bundesministerium für Gesundheit: Carsten Linnemann neuer Gesundheitsminister ·
  2. Apotheken Umschau: Medizinisches Cannabis: Linnemann dringt auf strengere Regeln ·
  3. Pharmazeutische Zeitung: Zwischen Versorgungsauftrag und Missbrauchsdebatte ·
  4. Hanf Magazin: Medizinalcannabis: Linnemann will 300-Tonnen-Importe bremsen ·

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